WO DAS GRAUEN LAUERT

Wo das Grauen lauert


Peter Kremers Sammlung von Sagen befasst sich als erstes Buch fast ausschließlich mit den Spukgestalten, die unseren Vorfahren im weiteren Umkreis von Düren den Schlaf raubten.
Im Mittelpunkt des Buches stehen Blutsauger und andere Wiedergänger, die große Ähnlichkeit mit ihren südosteuropäischen Vettern, den Vampiren, haben. Auch glühende Untote begegnen uns auf einsamer Landstraße, während andere lebende Leichen in ihren Gräbern liegen und ihren Hinterbliebenen die Lebenskraft sozusagen in einem "online"-Verfahren absaugen. Sogar der kopflose Reiter, der durch Tim Burtons Gruselfilm Sleepy Hollow weltberühmt wurde, prescht durch die Nächte. Wer weiß schon noch, dass Washington Irving, der Verfasser der Novelle Sleepy Hollow, die Anregung für seine Geschichte vor 200 Jahren, während einer Bildungsreise entlang des Rheins, aufgriff?
Einsamer Spitzenreiter unter den Nachtschattengeschöpfen im Land an Inde, Erft und Rur ist und bleibt der Werwolf, der auch nur in diesem Teil der Welt einen eigenen Namen hat: "Stüpp". Er läuft uns als menschenmordendes Ungeheuer über den Weg, aber auch als infernalischer Quizmaster oder als Suchttherapeut, der sich den Spätheimkehrern von der Kampftrrinkerfront auf den Buckel hockt und ihnen verdeutlicht, dass ein vollgesoffener Kopf nicht erst am nächsten Morgen schmerzen muss.
Seinen Namen hat der rheinische "Stüpp" von einer realen Person, dem Bauern Peter Stübbe aus Bedburg, der 1589 im wohl berühmtesten Werwolfprozess der Kriminalgeschichte zum Tod durch Schwert und Feuer verurteilt wurde. Sein Fall schrieb Mediengeschichte, und allseits werden auch heute noch die zeitgenössischen Flugschriften nachgebetet, in denen Stübbe des vielfachen Mordes, vor allem an Frauen und Kindern, bezichtigt wird. Der Autor Peter Kremer analysiert zum ersten Mal die Schriften des ausgehenden 16. Jahrhunderts vom Standpunkt des Historikers aus und behauptet, dass Stübbe, seine Tochter und seine Lebensgefährtin aller Wahrscheinlichkeit nach einem eiskalt inszenierten Justizmord zum Opfer fielen.